Moderne, energetisch optimierte Schwimmhallen können für wenige Euro am Tag betrieben werden. Eine energiesparende Bauweise vorausgesetzt, sind sie sparsam im Verbrauch, ohne dass Bauherren Komforteinbußen hinnehmen müssen.

Schwimmhallen zum Wohlfühlen

Seit einigen Jahren hat im Bereich des Schwimmhallenbaus ein Begriff Einzug gehalten, der viel Raum für Phantasie lässt: die Niedrigenergieschwimmhalle. Was heißt das konkret? Jede Schwimmhalle ist individuell gebaut und weist, immer abhängig von Größe, Ausstattung und Nutzungsverhalten der Bauherrn, einen unterschiedlichen Energieverbrauch auf. Deshalb sind Vergleiche nur schwer zu ziehen. Es kommt eben immer auf viele Faktoren wie Größe der Halle und des Schwimmbeckens, der Ausstattung und des Nutzungsverhaltens an. Tatsache ist: In den vergangenen Jahren sind die Betriebskosten einer privaten Schwimmhalle nicht gestiegen, sondern deutlich gesunken. Ein gern verwendeter Vergleich: Ein Raucher zahlt pro Tag mehr für seine Zigaretten als ein Schwimmhallenbesitzer für seine Anlage. Man geht heute bei einer hochwertig ausgestatteten Schwimmhalle von etwa 3 Euro pro Tag aus. Nach Berechnungen, die das ENOP-Institut, Offenau, vor einigen Jahren angestellt hat, verbraucht eine Niedrigenergie-Schwimmhalle etwa 12.000 bis 18.000 kW/Jahr. Zum Vergleich: Eine Schwimmhalle aus den 70er-Jahren kam noch auf etwa 30.000 kWh/Jahr. Der Grund ist einfach: Gerade weil die Schwimmhallen heute so hochwertig ausgestattet und auf eine energieeffiziente Betriebsweise ausgelegt sind, sinkt logischerweise auch der Energieverbrauch. So wird z.B. die private Schwimmhalle in der Energieeinsparverordnung (EnEV) nicht anders behandelt als ein normaler Wohnraum. Die Schwimmhalle wird einfach als normale Wohnfläche in die Berechnungen einbezogen. Selbst die Verschärfungen der Energieeinspar-Verordnung, die ab 2016 in Kraft treten werden, ändern daran nichts. Die erforderlichen Dämmstoffdicken bei privaten Schwimmhallen können wie im Wohnbau realisiert werden.

Moderne Schwimmhallen sind nicht primär Sportstätten für Leistungsschwimmer, sondern auch für einen längeren, entspannten Aufenthalt konzipiert. Wohlfühlen und Behaglichkeit sind entscheidende Kriterien. Die Behaglichkeit wird aber von verschiedenen Größen bestimmt wie Beckenwasser- und Raumlufttemperatur, relative Luftfeuchte, Luftbewegung im Aufenthaltsbereich und Oberflächentemperatur der Umfassungswände. In der Praxis herrschen in einer Privatschwimmhalle folgende Temperatur- und Klimawerte: Wassertemperatur ca. 28° C, Raumtemperatur 30° C, relative Luftfeuchte ca. 60 %, Luftbewegung im Aufenthaltsbereich von Personen unter 0,05 m/s, Innenflächentemperatur bei 23 bis 25° C. Ab diesen Temperaturen beginnt das Wohlfühlen. Die Oberflächen im Raum nehmen die Temperatur an, so dass sich selbst der Fliesenbelag auf dem Fußboden warm anfühlt. So ist eine Fußbodenheizung in einer modernen Schwimmhalle überflüssig, weil sie für die Raumtemperatur nichts bringt.

Bekanntermaßen sollte die Raumtemperatur um etwa 2° C höher liegen als die Wassertemperatur, da sonst die Verdunstung steigt und die Klimaanlage mehr arbeiten muss. Wenn die Raumtemperatur konstant über der Wassertemperatur liegt, sind die Heizkosten gering. Dabei sollten die Wände nach der neuen EnEV auf einen mittleren U-Wert (früher k-Wert) von 0,24 ausgelegt sein, um die Wärmeverluste zu begrenzen.

Zweiter Punkt: Durch die ständige Wasserverdunstung tritt in Schwimmhallen eine hohe relative Luftfeuchte auf. Dadurch kann sich Schwitzwasser an den Innenflächen der Fenster, der Decke und den Wänden bilden, wenn die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt der Raumluft sinkt, was verhindert werden muss. Kritisch wird es, wenn der Taupunkt innerhalb der Baukonstruktion liegt. Feuchtes Mauerwerk kann keine Wärme halten. Von den hohen Heizkosten abgesehen, können zum Teil irreversible Bauschäden entstehen. Will man ein Eindringen der Luftfeuchte verhindern, muss auf der Rauminnenseite, zum Beispiel zwischen Innenputz und Mauerwerk, eine Dampfsperre eingebaut sein. Es kann aber durchaus sein, dass trotz der über der Wassertemperatur liegenden Raumlufttemperatur sich an den Innenseite der Umfassungswände die Oberflächentemperatur unterhalb der Wassertemperatur befindet. Dann tritt an den Wänden Schwitzwasser auf, und aus dem Schwimmbecken wird die gleiche Wassermenge nach verdampfen, bis die Oberflächentemperatur gleich der oder größer als die Wassertemperatur wird. Um das zu verhindern, muss die Temperatur der Wandoberflächen der der Raumluft entsprechen. Dies erreicht man am besten mit einer hochwertigen Wärmedämmung. Nur Wärmedämmung und Dampfsperre verhindern Bauschäden und hohe Energiekosten.

Dritter Punkt: die Wärmerückgewinnung. Die durch die permanente Verdunstung anfallende Wassermenge muss über eine Lüftungsanlage abgeführt werden, damit die Raumluft konstant gehalten werden kann. Eine Entfeuchtung ohne Wärmerückgewinnung wäre aber eine immense Energievergeudung. Welches System der Wärmerückgewinnung auch immer gewählt wird: Wichtig für eine effektive Entfeuchtung ist ein funktionsfähiges Luftverteilungssystem. Fensterflächen werden zum Beispiel mit Warmluft abgeschleiert. Ist das nicht der Fall, strahlt Kälte von den Fenstern in den Raum und erzeugt ein Kältegefühl, wenn man vor den Scheiben steht. Außerdem würde die Schwimmhallenluft an den Scheiben abkühlen und nach unten sinken. Folge: Die Wasserverdunstung steigt und somit auch die Entfeuchtungskosten. Andererseits dürfen die Fensterflächen nicht direkt mit Warmluft angeblasen werden, weil dadurch die Luftgrenzschicht an der Scheibe weggeblasen würde. Die Folge: erhöhter Wärmebedarf, höhere Heizkosten. Deshalb verlaufen Schlitzschienen, die die Warmluft in die Schwimmhalle bringen, in der Regel entlang der Fenster.

Da die Schwimmhalle nicht nur zum Baden, sondern oft auch zum längeren Aufenthalt genutzt wird, sind angenehme Klimabedingungen wichtig und werden auch dank eines leistungsfähigen Entfeuchtungsgeräts schnell wieder hergestellt. Ein gutes Klimagerät registriert über seinen Feuchtefühler die höhere Verdunstung und sorgt schnell wieder für normale Klimaverhältnisse. Moderne Klimageräte sind auf eine wirtschaftliche Betriebsweise ausgelegt und regeln Entfeuchtung, Frischluftzufuhr und Wärmerückgewinnung. Leistungsfähige Geräte können zwischen Ruhebetrieb und Nutzung des Bades unterscheiden und ihre Betriebsweise entsprechend anpassen. Faustregel: Von einer guten Klimaanlage hört und sieht man nichts. Sie ist auch dafür verantwortlich, dass man im Wohnhaus vom Schwimmbad nichts riecht.  

Der zusätzliche Wärmebedarf einer Schwimmhalle, der nicht durch die Wärmerückgewinnung abgedeckt ist, wird durch statische Heizflächen erzeugt. Dieser Bedarf tritt aber nur in den wenigen, wirklich kalten Wintertagen auf. In der übrigen Zeit wird der Wärmebedarf der Schwimmhalle durch die Wärmerückgewinnung abgedeckt. Benötigt werden allenfalls ein oder zwei niedrige Heizkörper, die dekorativ als Wärmebank genutzt werden können. Bewährt haben sich auch Unterflurkonvektionen vor der gesamten Fensterfläche, die mit einem darunter angeordneten Zuluftkanal eine gute Abschirmung der Fenster bewirken. Die Regelung der Heizkörper erfolgt meist über einen Raumtemperaturfühler.

Vierter Punkt: die Abdeckung. Eine Abdeckung reduziert ganz wesentlich die Verdunstung. Damit wird die Entfeuchtungsanlage entlastet und somit auch das Portemonnaie. Sie sorgt außerdem für ein besseres Klima in der Schwimmhalle. Natürlich sind die Verbräuche wesentlich vom Nutzungsverhalten der Besitzer abhängig. Wenn das Schwimmbad durchschnittlich eine Stunde am Tag genutzt wird und die Anlage 23 Stunden im Ruhebetrieb gefahren wird, sind die Verbräuche natürlich geringer, als wenn sich über mehrere Stunden Kinder im Schwimmbad aufhalten oder wenn die Gegenstromanlage und die Schwalldusche über längere Zeit laufen. In den Ruhephasen hat man jedoch dank Abdeckung und Entfeuchtungsanlage Klimabedingungen wie in einem Wohnzimmer.