Automatische Desinfektionssysteme werden heute in einer großen Vielfalt und praktisch allen Preisklassen angeboten. In anspruchsvollen Privatbädern gehören sie heute zu den Must-haves. Die elektronischen Helfer erleichtern die Arbeit enorm und geben dem Poolbesitzer auch ein Stück Sicherheit.

Poolpflege leicht gemacht

Ein Punkt, den man nicht oft genug betonen kann: Die Qualität des Schwimmbadwassers ist nicht nur von der Desinfektion abhängig. Weitere wichtige Faktoren sind der Filter und seine Laufzeiten, die Rückspülung sowie die Beckendurchströmung. Nur alle Faktoren zusammen ergeben eine gute Wasserqualität. Als Faustregel gilt: Was der Filter an Schmutz eliminiert, braucht mit der chemischen Keule nicht erschlagen werden. Denn Schwimmbäder mit einer guten Wasseraufbereitung benötigen nur sehr wenig Desinfektionsmittel. Natürlich kann man auch die Wasserpflege per Hand durchführen und sollte dies auch von Zeit zu Zeit tun, das heißt den pH-Wert und den Chlorgehalt selbst bestimmen und nicht nur der Technik vertrauen, um ein Gefühl für die richtige Wasserpflege zu bekommen. Aber die automatische Kontrolle ist auf Dauer besser, leichter, sicherer und zuverlässiger. Auch wenn sie natürlich bei den Investitionskosten stärker zu Buche schlägt: Die Automatik hilft letztendlich, Chemie einzusparen und unter geringem Einsatz von Desinfektionsmitteln ein gepflegtes Wasser zu bekommen.

Kernstück einer Desinfektionsanlage ist meist die bedarfsgerechte Dosierung der Wasserpflegemittel, entweder Chlor oder ein Alternativprodukt. Eine permanente Messung des freien Chlorgehalts bzw. des Desinfektionsmittels im Beckenwasser ist, jedenfalls bei Privatbädern, nicht zwingend notwendig, aber ungemein hilfreich. Und es erlaubt das schnelle Nachjustieren bei Unter- oder Überschreiten der Sollwerte. Die Dosierung erfolgt in der Regel über Schlauchpumpen, gesteuert von einem Mess-, Regel- und Dosiergerät. Das Gerät zeigt rechtzeitig an, wann die Dosierbehälter nachgefüllt werden müssen.

Automatische Dosierung und das Mess-, Regel- und Dosiergerät gehören also unmittelbar zusammen. Auf dem MSR-Gerät bekommt der Poolbesitzer die für die Wasserpflege wichtigen Parameter angezeigt und kann bei Bedarf korrigieren. Zu diesen Parametern gehört natürlich der pH-Wert. Der pH-Wert ist eine Maßzahl, die aussagt, wie sauer oder alkalisch ein Wasser reagiert. Dieser sollte sich in einem Korridor von 7,0 bis 7,4 befinden. Denn je höher der pH-Wert, also je alkalischer das Wasser ist, desto weniger verträglich ist es für Haut und Augen, und es kommt zu unangenehmen Reizungen. Außerdem nimmt die Wirkung des Desinfektionsmittels bei zu hohem pH-Wert ab. Aber auch das andere Extrem ist ungünstig: Je weiter der pH-Wert unter 7,0 liegt, desto agressiver wirkt das Wasser auf Metallteile oder Fliesenfugen. Bei Unter- oder Überschreiten wird dann ein pH-Senker oder pH-Heber in flüssiger Form zudosiert. Und zwar bequem vom Steuergerät aus. Die pH-Senker sind Säuren: zum Beispiel Natriumhydrogensulfat, Schwefelsäure, Salzsäure oder Kohlendioxid. Zur Anhebung sind Natronlauge, Soda und Natriumhydrogenkarbonat geeignet.


Der zweite Messwert ist der Chlorgehalt. Bekanntlich kann aus hygienischen Gründen auf eine permanente Desinfektion des Schwimmbadwassers nicht verzichtet werden. Deshalb sollte im Wasser immer ausreichend Desinfektionsmittel, entweder Chlor oder ein chlorfreies Pflegemittel vorhanden sein. Die Mittel auf Chlorbasis liegen im Beckenwasser als unterchlorige Säure vor, von der die eigentliche desinfizierende Wirkung ausgeht, und deren Salze, die Hypochlorite. Unterchlorige Säure und das Hypochlorit bilden zusammen das freie Chlor. Mit den stickstoffhaltigen Verbindungen, die von den Badenden zwangsläufig ins Beckenwasser eingebracht werden, reagiert Chlor zu Chloramin, dem so genannten gebundenem Chlor. Chloramine riechen stechend und reizen Haut und Schleimhäute. Daher ist es das Ziel der Wasserpflege, die Bildung von Chloraminen nach Möglichkeit zu vermeiden. Ein Gehalt von 0,3 bis 0,6 mg/l freies Chlor sollte ständig im Wasser vorhanden sein.

Eine weitere Funktion, die von manchen Geräten automatisch übernommen wird, ist die Flockung. Was bedeutet das? In das Beckenwasser gelangen nicht nur sichtbare, sondern auch unsichtbare Verschmutzungen wie Bakterien, Keime und Körperfette einschließlich Kosmetika. Diese sind im Wasser für das Auge unsichtbar verteilt und können auch durch leistungsfähige Filter nur unvollständig zurückgehalten werden. Setzt man jedoch dem Wasser vor der Filtration ein so genanntes Flockungsmittel hinzu, so werden viele dieser Schmutzstoffe entstabilisiert, das heißt elektrisch entladen, und in die sich bildenden Flocken eingebunden. So werden sie im Filterbett zurückgehalten. Wichtig ist, dass das Flockungsmittel dem abgebadeten Wasser ständig zudosiert wird. Deshalb ist eine automatische Dosierung notwendig. Die Dosiermenge richtet sich nach dem Verschmutzungsgrad des Wassers, mindestens jedoch 0,05 g/m3 bei aluminiumhaltigen und 0,1 g/m3 bei eisenhaltigem Flockungsmittel.



Ein zusätzlicher Kontrollwert für die Beschaffenheit des Beckenwassers, gewissermaßen als Reserve, ist das Redoxpotential, das von vielen Geräten angezeigt wird. Es ist ein kontinuierliches Messverfahren und ein Maß für die keimtötende und oxidative Wirkung eines Desinfektionsmittels im Wasser. Unter dem Begriff versteht man eine Spannung, die an einer Edelmetallelektrode gegen eine Bezugselektrode beim Eintauchen in eine Lösung in Millivolt gemessen wird. Die Spannung ist abhängig vom Konzentrationsverhältnis des Oxidationsmittels, zum Beispiel freies Chlor, zum Reduktionsmittel wie organische Verunreinigungen. Die Redoxspannung ist also ein genaues Maß für die oxidierende bzw. desinfizierende Wirkung des vorhandenen Desinfektionsmittels unter Berücksichtigung der bestehenden Verunreinigungen. Das bedeutet: Derselbe Chlorgehalt kann in einem anderen Wasser eine niedrigere oder höhere Redoxspannung ergeben, je nachdem wie groß der Anteil der Verunreinigungen im Wasser ist. Die kontinuierlich gemessene Redoxspannung eignet sich damit weder für die Steuerung der Chlordosierung noch als Ersatz für die Erfassung des Chlorgehalts. Es ist aber ein Wert, um tendenzielle Aussagen über die Beschaffenheit des Wassers machen zu können. Ein Redoxwert über 800 mV wird in der Regel als gut angesehen.

Bei höherwertigen Anlagen sind die MSR-Geräte an einen Computer angeschlossen, von denen man dann das Desinfektionssystem, aber auch weitere Funktionen des Schwimmbades wie Filterlaufzeiten, Rückspülung, Scheinwerfer und Wasserattraktionen steuern kann. Die Vernetzung der einzelnen Komponenten eines Schwimmbades und deren externe Steuerung über PC oder mobile Geräte wie Smartphone oder Tablet stellt kein Problem mehr dar. Um die Anlage bedienen zu können, braucht der Poolbesitzer auch nicht mehr in den Technikraum. Per Display in der Schwimmhalle oder im Wohnhaus können die Betriebszustände aufgerufen und bei Bedarf geändert werden.