Bei der Sanierung einer Schwimmhalle steht meist der Pool im Mittelpunkt der Maßnahmen. Nicht so in diesem Fall. Dank einer aufwendigen Deckenkonstruktion und LED-Farbstreifen bekam die Schwimmhalle einen völlig neuen Charakter.

LICHT.SPEKTAKEL

Nur die Schwimmbadtechnik erneuern, würde nicht ausreichen. Bei der Besichtigung der Schwimmhalle musste der Münchner Architekt Robert Rappold schnell feststellen, dass es vor allem bei der Deckenkonstruktion erhebliche bauphysikalische Probleme gab und diese saniert werden musste, bevor weitere Gebäudeteile in Mitleidenschaft gezogen würden. Attila Meier vom sopra-Partner Seufert & Fink, der die schwimmbadtechnischen Arbeiten übernahm, hatte Robert Rappold hinzugezogen, der sich ein Bild vom Gesamtzustand der immerhin 250 m2 großen Schwimmhalle machte.

Vor etwa 16 Jahren hatte der vorherige Besitzer einen alten Bauernhof im Umland von München gekauft, die einzelnen Gebäude sanieren und in einem Stall auch eine Schwimmhalle einbauen lassen. Der heutige Besitzer hatte sich jetzt entschieden, die Anlage technisch auf den heutigen Stand zu bringen und die in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufgetretenen Mängel beseitigen zu lassen.

Eine Bestandsaufnahme ergab, dass das immerhin 120 m2 große Schwimmbecken, ein Betonbecken mit Abdichtung und Mosaikauskleidung, noch in Ordnung war und so belassen werden konnte. Das Becken verfügt über eine umlaufende Überlaufrinne und ist komplett umgehbar. Dazu ist der Pool mit doppelflutiger Gegenstromanlage sowie einer Luftsprudel- und Massageanlage ausgestattet. Der mittig am Beckenrand positionierte Whirlpool war allerdings defekt und musste erneuert werden. Seufert & Fink tauschte die nicht mehr zeitgemäße Schwimmbadtechnik im Untergeschoss des Gebäudes gegen eine moderne sopra-Technik aus. Insbesondere der Schwallwasserbehälter wurde erneuert, und die veraltete Desinfektionsanlage wurde gegen die neue „soprazon premium 19“ ersetzt. Der Whirlpool verfügt über eine eigene Aufbereitungstechnik. Am Touchscreen der neuen Poolsteuerung kann der Bauherr jetzt seine Wasserwerte leicht einstellen und bei Bedarf korrigieren, aber auch die Wasserattraktionen bedienen. Die vorhandene Entfeuchtungstechnik war ebenfalls noch in Ordnung und konnte übernommen werden.


„Wesentlich aufwendiger war“, so Robert Rappold, „die Schwimmhalle auch bauphysikalisch in den Griff zu bekommen.“ Die vorhandene Holz-Dachkonstruktion und eine abgehängten Decke wiesen Kondensatprobleme und Ausblühungen auf, die sich zunehmend in der ganzen Konstruktion fortsetzten. Auf die Decke eine dampfdichte Innendämmung und eine neue und recht aufwendige Deckenkonstruktion aufzubringen, war die Aufgabe, die sich dem Architekten stellte. „Da es keine Planungsunterlagen gab, hatten wir keine Ahnung, wie es unter der Deckenkonstruktion aussehen würde“, erzählt Robert Rappold weiter. Die bestehende Decke musste deshalb komplett entfernt werden. Erst dann wurde der Zustand darunter sichtbar. Als Dampfsperre war damals nur eine Folie verklebt worden. Auf der gesamten Decke wurde ein Foamglas aufgebracht, das neben der Dampfdichtigkeit außerdem einen Wärmedämmeffekt hat und noch die Brandschutzklasse F90 erfüllt. Um das Foamglas vollflächig und auch an den Stößen verkleben zu können, war ein absolut ebener Untergrund notwendig. Deshalb wurde eine Zwischendecke eingezogen. Um die aufwändige Deckenkonstruktion überhaupt anbringen zu können, musste aus statischen Gründen noch einmal eine Trägerkonstruktion angebracht werden, die das Gewicht der Decke aufnehmen konnte. Darauf wurden dann zementäre Verbundplatten, sogenannte Aquapanel-Platten, befestigt. Und auf der Unterseite der Aqua-Panele konnte dann das Foamglas verklebt werden.

Die Form der abgehängten Decke orientiert sich natürlich an der besonderen Form des Schwimmbeckens mit gerundeten Ecken. Zentraler Punkt im Raum ist der Whirlpool, der ein Stück ins Becken hineinragt. Diese Konstruktion spiegelt sich auch in der Decke wider. Direkt über dem Whirlpool wurde als Entsprechung eine kreisrunde Abhängung angebracht, von der aus zahlreiche Lichtbänder wellenförmig über die Decke laufen. Denn ein zentrales Element bei der Deckengestaltung sind verdeckt installierte LED-Lichtvouten. Das Licht hüllt den ganzen Raum und auch das Beckenwasser in den unterschiedlichsten Farben ein. Im Becken befinden sich derzeit noch konventionelle Halogenscheinwerfer. Diese sollen aber in nächster Zeit gegen LED-RGB-Leuchten ausgetauscht werden. Die Stripes an der Decke sind verdeckt installiert und nicht zu erkennen. Man sieht nur die Reflexionen anhand der Vouten-Ausbildung. So kommt die Dreidimensionalität der Deckenkonstruktion erst richtig zur Geltung. Der Bauherr kann an seiner Steuerung einzelne Farben einstellen oder mixen. „Licht bekommt hier eine ganz neue Bedeutung“, betont Robert Rappold. „Es geht nicht nur darum, einen Raum zu erleuchten, sondern die Emotion spielt jetzt eine große Rolle. Der Raum bekommt durch die Lichtwirkung einen ganz anderen Charakter.“


Ein weiterer Clou sind die zahllosen Reflexionen, die in der Schwimmhalle entstehen. Denn je nach Tageslicht entstehen interessante Spiegelungen und Reflexionen im Beckenwasser. Die Mosaike im Becken sind in verschiedenen Blautönen gehalten, die je nach Lichteinfall in zahlreichen Farben changieren. Da die Südseite der Schwimmhalle komplett verglast ist, wirken die Scheiben im Dunkeln wie Spiegel und erzeugen zusätzliche Reflexionen. Im Außenbereich schließen eine Terrasse und der Garten an die Schwimmhalle an. Deshalb kann von außen kein fremdes Licht in die Schwimmhalle eindringen und das Lichtszenario stören. Auch eine Oberlichtverglasung wurde noch integriert. Um einen sicheren Anschluss von der Deckenkonstruktion zur Verglasung zu bekommen, wurde das Glas mit Spiegelfolie beklebt, um den Übergang unsichtbar zu machen. Diese und viele weitere Details waren auszutüfteln, bis sich die Schwimmhalle in dem heutigen überragenden Design präsentieren kann.

Im Untergeschoss neben dem Technikraum befindet sich noch ein kleiner Wellness-Bereich mit Sauna, Dampfbad, Erlebnisdusche und Ruheraum. Und auf gleicher Ebene wie die Schwimmhalle wurden noch ein Aufenthaltsbereich sowie eine kleine Küche integriert.

„Der Zeitplan war sehr anspruchsvoll“, erinnert sich Robert Rappold. „Im September 2019 begannen die Bauarbeiten. Pünktlich zu den Weihnachtsfeiertagen konnte die Anlage übergeben werden.“ Am ersten Tag setzte sich der Bauherr mit einem Glas Wein in seine neue Schwimmhalle und schaute lange nur zur Decke. Er konnte sich nicht sattsehen an dem fantastischen Lichtspektakel über ihm. Der Raum und die Poolanlage haben nun dank der Deckenkonstruktion und vor allem dank der LED-Technik einen ganz neuen faszinierenden Charakter bekommen. Fotos: Robert Rappold

 

Mehr Informationen gibt's hier:

Architektur:
Robert Rappold
81545 München
Tel.: 089 6492638

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Schwimmbadbau:
Seufert + Fink Schwimmbadbau GmbH
& Co. Vertriebs KG
82041 Oberhaching
Tel.: 089 7933004

info@seufertundfink.de
www.seufertundfink.de

 

Schwimmbadtechnik:
sopra AG
56070 Koblenz
Tel.: 0261 98308-0

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