Edelstahlpools findet man heute sowohl im öffentlichen Bäderbau als auch bei Hotelbädern und zunehmend auch im Privatbereich. Egal ob als freitragende Beckenkonstruktion oder als Betonbecken mit Edelstahlplatten ausgekleidet: Edelstahl ist in.

Edelstahl – ein Klassiker ganz trendy

Bis Ende der 1960er-Jahre waren Pools aus Edelstahl in Deutschland weitgehend unbekannt. Dann tauchten die ersten Edelstahlkonstruktionen in Deutschland auf. Zu nennen ist zum Beispiel das Aggrippabad in Köln, bei dem Edelstahlbecken zum Einsatz kamen. Diese blieben aber damals noch die Ausnahmen.

Anders in Österreich. Während der Bäderbau in Deutschland im Hinblick auf Edelstahl weitgehend ruhte, wurden in den Folgejahren in Österreich zahlreiche Bäder aus Edelstahl gebaut. Auch heute noch ist die Alpenrepublik in Bezug auf den Edelstahlbeckenbau führend in Europa. Hier sind auch die meisten Edelstahl-Beckenhersteller zu finden. In Deutschland setzte der Trend in den 1980er-Jahren ein. Denn mit der einsetzenden Modernisierungswelle vieler in die Jahre gekommenen Bäder gewannen auch nichtrostende Stähle an Bedeutung.

Der Einsatz von Edelstahl im Schwimmbadbau unterliegt genau festgelegten Vorschriften. Das sind neben den grundsätzlichen Anforderungen an Bau, Funktion und Beschaffenheit der Beckenanlagen, die in der KOK-Richtlinie für den Bäderbau, die es mittlerweile in der 5. überarbeiteten Auflage gibt, und den DIN-Normen festgelegt sind, die Bestimmungen gemäß dem Zulassungsbescheid des Deutschen Instituts für Bautechnik, Berlin. Dieser stellt hohe Anforderungen an den Bau der Beckenanlagen, die von den Edelstahl verarbeitenden Betrieben einzuhalten sind. Damals wie heute erfüllt nur ein kleiner Kreis von Unternehmen diese Anforderungen.

Neben der hohen Qualität, die bei der Verarbeitung des Edelstahls gefordert ist, verlangt der Bau von Edelstahlbädern, wie natürlich im übrigen Bäderbau auch, eine hohe Präzision und Genauigkeit bei den Werkstatt- und Montageplänen sowie speziell beim Thema Edelstahl die Kontrolle der Schweißerzeugnisse der Monteure auf der Baustelle. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des zur Verwendung kommenden Edelstahls ist seine Werkstoffnummer. Denn bekanntlich gibt’s beim Edelstahl große Unterschiede. Diese sind unterteilt nach Werkstoffklassen und Kennnummern. Um den richtigen Edelstahl auswählen zu können, müssen sich die Planer vorher genaue Kenntnis über die Belastung des Beckens beschaffen. Denn die Auswahl, welcher Edelstahl zum Einsatz kommt, ist abhängig von den Belastungen, denen er durch das Beckenwasser ausgesetzt ist. Eine sichere Methode, um den richtigen Werkstoff auszuwählen, ist eine Füllwasseranalyse. Das heißt eine Analyse des Netz- und Brunnenwassers lässt den zweifelsfreien Schluss auf die spätere Beschaffenheit des Beckenwassers und die Belastung des Materials zu.


Ein entscheidendes Kriterium hierfür ist die anzunehmende Chloridbelastung. Bei Freibädern liegt die Chloridbeastung in der Regel unter 200 mg/l, ein Wert, der als unkritisch für die gängigen Edelstahlsorten anzusehen ist. Wenn anzunehmen ist, dass der Wert unter dieser Grenze bleibt, kann ein Werkstoff mit der Kennnummer 1.4301 verwendet werden. Ist von einer Eindickung des Badewassers auf mehr als 200 mg/l Chloride auszugehen, was zum Beispiel bei Hallenbädern der Fall sein kann, empfiehlt sich der höherwertigere Werkstoff 1.4404. In der Regel werden deshalb beim Beckenbau nichtrostende Stähle vom Typ V2A – eine alte Typenbezeichnung, die eigentlich nicht korrekt, aber heute noch häufig anzutreffen ist – mit den Werkstoffnummern 1.4301, 1.4307, 1.4541 oder V4A, entsprechend den Werkstoffnummern 1.4401, 1.4404 und 1.4571 verwendet. Die unter dem Sammelbegriff V2A gefassten Werkstoffe können bei einer Konzentration bis 200 mg/l Chloride eingesetzt werden, wobei diese Zahl nur eine Orientierungshilfe darstellt. Faktoren wie der Nitrat- und Sulfatgehalt im Wasser spielen ebenso eine Rolle wie die Beständigkeit der Stähle gegenüber Loch- und Spaltkorrosion sowie der pH-Wert und das eingesetzte Oxidationsmittel. Die Tendenz geht heute auf jeden Fall zu den höherwertigeren Edelstählen der V4A-Klasse.

Zu beachten ist: Bauteile, die vom Beckenwasser nur gelegentlich umspült werden wie zum Beispiel Überlaufrinnen und beckennahe Geländer, verlangen eine ausreichende Reinigung, um Korrosion infolge von Chloridkonzentrationen zu vermeiden. Bei Thermal-, Sole- und Meerwasserbädern, bei denen mit höheren Salzkonzentrationen und Wassertemperaturen gearbeitet wird, kommen höher legierte Stähle wie 1.4462, 1.4529, 1.4547 und 1.4562 zum Einsatz.

Was die Korrosionsbeständigkeit gegenüber Schwimmbadwässern betrifft, so sind die heute gängigen Werkstoffe gegenüber einer gleichmäßigen Flächenkorrosion beständig. Zu beachten ist jedoch auch die örtliche Korrosion in Form von Loch- und Spaltkorrosion. Vor allem die so genannte Spannungsrisskorrosion tritt aber zumindest bei austenitischen Stählen nur oberhalb von 45° Celsius auf. Spalten sind bei der Beckenkonstruktion nach Möglichkeit zu vermeiden. Sollten sie nicht zu umgehen sein, ist die Verträglichkeit unterschiedlicher metallischer Werkstoffe sicherzustellen. Bei einer elektrisch leitenden Verbindung unterschiedlicher Werkstoffe kann es zu Korrosionsreaktionen kommen, wobei meist der tiefer wertige Partner Schaden nimmt. Ein Beispiel, was schon in der Vergangenheit vorgekommen ist: Eine hochwertige Edelstahldecke, die mit billigen Baumarktschrauben befestigt war. Die Korrosion setzte den Schrauben so zu, dass diese das Gewicht der Decke nicht mehr halten konnten und die ganze Konstruktion in die Tiefe stürzte.

Zum Thema Konstruktion der Edelstahlbecken: Diese sind immer als komplettes Bauwerk zu sehen, die auch alle zur Beckenfunktion gehörenden Bauteile mit einschließen. Das sind Treppen, Leitern und Geländer Wasserattraktionen, aber auch Unterwasserscheinwerfer, Ansaugöffnungen, Rohrleitungen unter dem Beckenboden, das beckenhydraulische System und die Überlaufrinnen. Dies wird beim Kostenvergleich mit anderen Beckensystemen oft nicht berücksichtigt.

 


Nun zum Thema Beckenböden. Dabei handelt es sich um statisch nichtragende Konstruktionen, die in der Regel eine Blechstärke von nicht mehr als 1,5 mm aufweisen. Diese können auf mechanisch verdichtetem Unterbau oder auf Beton bzw. Estrich verlegt werden. Dies kann auch ein bereits vorhandener Beckenboden sein, was bei Sanierungen häufig der Fall ist. Der Beckenboden wird dann um ein paar Zentimeter angehoben, um den Zwischenraum für Installationen und den Einbau des Einströmkanals zu nutzen. Denn bei Edelstahlbecken kommt grundsätzlich die Vertikaldurchströmung zum Einsatz. Dies ist auch eine geschickte Methode, wenn bei Sanierungen ein veraltetes Durchströmungssystem umgestellt werden soll. Die Rohrleitungsanbindungen aus dem Werkstoff 1.4571 sind auf jeden Fall Bauleistungen des Edelstahlbeckenherstellers.

Bei den Wandkonstruktionen finden man zum einen mit Dübeln verankerte Blechstreifen und darauf mit durchgehender Schweißnaht befestigte Wandbleche. Alternativ findet man auch so genannte statisch selbsttragende Konstruktionen. Voraussetzung hierfür ist die Aufnahme der aus den Wänden resultierenden Last durch Fundamente. Eine Methode sind die rückseitig rippenverstärkt ausgebildeten Wandkonstruktionen. Diese sind bei der Lastübertragung bis zu einer Wassertiefe von 2 m statisch selbsttragend. Vorteil der Edelstahlbecken: Sie haben keine Dehnfugen wie andere Beckenkonstruktionen, sie nehmen Stauchungen durch Temperatureinwirkungen oder Baugrundsetzungen problemlos auf. Sollte das Becken doch einmal beschädigt sein, lässt es sich problemlos reparieren.

Auch was den Beckenkopf betrifft und die Anschlüsse an die Umgebung, bietet ein Edelstahlbecken viele Vorteile. So ist die Überlaufrinne mit einer Eintauschräge von unter 30° ausgebildet und ähnelt mit ihrer wasserberuhigenden Wirkung einer Finnischen Rinne. Die Streichwehrkante kann mit einer Genauigkeit von +/- 2 mm hergestellt werden. Sie dient gleichzeitig als Handfasse. Dabei kann die Rinne je nach Kundenwunsch auch in Sonderformen und -formaten ausgebildet werden. Das gleiche gilt auch für alle anderen Einbauten: Ob Leitern, Startblöcke, Treppen, Strömungskanäle, Massagerotunden oder -liegen: Alle Elemente können auf Kundenwunsch individuell gefertigt und eingebaut werden.

Was die Pflege eines Edelstahlbeckens betrifft, so ergeben sich keine höheren Anforderungen als an andere Schwimmbeckensysteme auch. Dazu gehören der Einsatz eines Unterwasserreinigers genauso wie die Kontrolle und Einhaltung der Wasserqualität. Eine Besonderheit gegenüber anderen Beckenarten gibt es doch: Metallgegenstände, die ins Wasser gefallen sind wie zum Beispiel Münzen oder Haarklammern, sind sofort zu entfernen, weil sich sonst unter dem Einfluss des Chlorwassers hässliche Spuren auf dem Metall bilden. Auch was die Überwinterung des Edelstahlbeckens betrifft, so gibt es hier keine besonderen Probleme. Selbst das Anbringen von Eisdruckpolstern entfällt.

Edelstahlbäder weisen, die fachgerechte Wartung vorausgesetzt, eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten auf. Vor allem bei Sanierungen haben sich Edelstahlbecken einen Namen gemacht, weil sie kostengünstig in die alte Beckenkonstruktion eingebaut werden können.

 

Werkstoffe und ihre Kennzeichnung

  • 4003: Niedriger Chromgehalt. Deshalb ist die Passivschicht nur sehr eingeschränkt als Korrosionsschutz wirksam. Nur im Außenbereich mit niedriger Belastung einsetzbar. Wird oft lackbeschichtet eingesetzt.
  • 4016: Höherer Chromgehalt, deshalb etwas beständiger als 1.4003. Einsatzgebiete sind aber vergleichbar.
  • 14301, 14318, 1.4541 und 1.4567: Diese Edelstahlsorten sind sich ähnlich, was die chemische Zusammensetzung und die Korrosionsbeständigkeit betrifft. Sie sind ausreichend korrosionsbeständig in Atmosphären ohne erhöhter Belastung. Bei erhöhtem Gehalt an Luftschadstoffen sind diese Stähle aber nicht vollkommen korrosionsbeständig.
  • 4401, 1.4404 und 1.4571: Austenitische Chrom/Nickel/Molybdän-Stähle, die in Bezug auf die Hauptlegierungselemente praktisch identisch, generell sehr widerstandsfähig und korrosionsbeständig sind. In stark durch Chlor und Säureverbindungen belasteter Atmosphäre kann es zu Verfärbungen und danach zu Lochfraß kommen.
  • 4439: Aufgrund des höheren Molybdängehalts besitzt dieser Stahl noch bessere Korrosionsbeständigkeit als die o.g. drei Stähle.
  • 4539 und 1.4462 (Duplexstahl): Diese sind den Standardsorten wie 1.4301 und 1.4401 deutlich überlegen. 1.4462 zeigt allerdings gelegentlich Lochfraßstellen. Aufgrund dessen wird er im Gegensatz zum Werkstoff 1.4539 für den Einsatz bei Schwimmbädern nicht empfohlen.
  • 4529, 1.4565 und 1.4547: Die Stahlsorten werden eingesetzt, wenn keine Korrosion toleriert werden kann und keine Reinigung möglich ist (zum Beispiel bei Verkehrsbauwerken).