Eine besondere Variante unter den Schwimmbeckenarten ist das Therapiebecken. Diese werden in der Regel für therapeutische und medizinische Anwendungen in Kliniken und Rehazentren eingesetzt, aber auch in Schulen oder Wellnessbereichen von Hotels.

Pools mit hohem Anspruch

An die Konstruktion von Therapiebecken werden eine Reihe von Anforderungen gestellt, die zum einen die Bedürfnisse der Therapeuten berücksichtigen, damit diese ihre Arbeit optimal am Patienten durchführen können, zum anderen die baulichen Vorstellungen des Betreibers. Barrierefreiheit, bequemer Einstieg auch für Patienten mit motorischen Einschränkungen und eine bestimmte therapeutische Ausstattung sind häufig zu finden. So wünschen sich Therapeuten meist einen allseitigen Beckenumgang. Immer häufiger werden außerdem verglaste Beckenwände eingesetzt, damit die Therapeuten die Bewegungen der Patienten beobachten und korrigieren können. Die Gestaltung der Becken muss den Bedürfnissen der medizinisch indizierten Behandlung angepasst sein. Therapiebecken werden in der Regel individuell geplant und nahezu in jeder gewünschten Form gebaut.

Im ersten Teil der DIN 19643 werden Therapiebecken definiert und die Anforderungen an Planung und Konstruktion der Becken sowie der Technik- und Nebenräume beschrieben. Therapiebecken unterscheiden sich von anderen öffentlichen Nichtschwimmerbecken im Wesentlichen durch höhere Wassertemperaturen, das heißt diese liegen meist bei 32 – 36° Celsius –, einer aufwändigeren Wasseraufbereitung und der medizinisch indizierten Ausstattung wie zum Beispiel umlaufende Haltestangen. Die Gestaltung richtet sich in aller Regel nach den „Baurichtlinien für Medizinische Bäder“, erläutert Ralf Selle, Geschäftsführer vom PVC-Beckenhersteller Vario Pool System. So wird zum Beispiel bei Treppen eine erhöhte Anzahl an Trittstufen mit größerer Auftrittsfläche verbaut, um die Steigung zu minimieren. Selbstverständlich müssen diese, wie auch der Beckenboden, in entsprechender Kategorie rutschhemmend ausgeführt werden und die Stufenvorderkanten farblich markiert sein. Nicht selten werden auch höhenverstellbare Zwischenböden, so genannte Hubböden verbaut, um unterschiedliche Wassertiefen für einzelne Therapieformen realisieren zu können. Häufig anzutreffende besondere konstruktive Maßnahmen wie die erwähnten Glaswände oder ein umlaufender Therapeutengraben sind betreiberabhängige Vorgaben und nicht verpflichtend.

Therapiebecken kommen in der Regel dann zum Einsatz, wenn zu erwarten ist, dass Badegäste eine niedrige Immunabwehr haben. Also Patienten nach Operationen, mit gesundheitlichen Problemen und damit einhergehend mit einer geschwächten Immunabwehr. Zum Schutz dieser Badegäste wird ein besonderes Augenmerk auf die Hygiene gelegt und es gelten besondere hygienische Sorgfaltspflichten und Anforderungen. Keimfreies Badewasser in bester Qualität und ohne unangenehmen Chlorgeruch für die Patienten hat oberste Priorität.

„Ein Schwimmbad ist bekanntlich kein steriles System“, erläutert Alexander Reuß, Technischer Verkaufsleiter bei der Firma Ospa Schwimmbadtechnik. „Es werden immer auch ein Stück weit Keime hauptsächlich durch die Badegäste eingetragen, die aber im Normalfall in ausreichendem Maße durch Chlor abgetötet werden und daher für den Badegast kein Problem darstellen. Es gibt in jedem natürlichen Gewässer viel mehr Keime als in einem Schwimmbad. Aber bei einem Badegast, der ein gesundheitliches Risiko hat, ist eine höhere Sicherheit vor potentiell pathogenen Keimen sehr wichtig. Das ist der entscheidende Punkt, was den Unterschied zwischen einem Therapiebecken und einem sogenannten normalen Schwimmbecken ausmacht.“

Deshalb sieht die DIN 19643 neben der üblichen Wasseraufbereitung und Desinfektion mit Chlor noch eine zweite mikrobiologische Barriere vor: das Ozonverfahren. Seit der Novellierung der DIN 19643 im Jahre 2012 ist auch das Ultrafiltrationsverfahren zugelassen. Auch bei der Ultrafiltration kann man davon ausgehen, dass ein 100prozentiger Rückhalt von Bakterien und Viren erfolgt. Alexander Reuß: „Ozon- und Ultrafiltrationsverfahren sind als die zweite Barriere zu sehen, die den Schutz der Badenden gewährleistet.“ Ansonsten gibt es keine Unterschiede zwischen Therapiebecken und „normalen“ Schwimmbecken. Die Anforderungen an die Beckenhydraulik, die Filtrationsgeschwindigkeit und die Flockung sind gleich. Der Beckenvolumenstrom ist allerdings höher anzusetzen: Die Umwälzung erfolgt einmal pro Stunde. Allerdings ist bei Einsatz von Ozon die Wasseraufbereitung etwas aufwendiger, da neben der Ozonerzeugungseinheit auch Reaktionsbehälter (zur Einwirkung des Ozons) und Sorptionsfilter (zur anschließenden Eliminierung des Ozons aus dem Wasser aus toxikologischen Gründen) aus ozonbeständigen Materialien eingesetzt werden müssen.

Die Therapiebecken können, wie alle anderen modernen Schwimmbecken auch, mit verschiedenen Attraktionen wie zum Beispiel Massagedüsen, Gegenstromanlagen, Wasserspeier, Unterwasserscheinwerfer und Unterwasserlautsprecher ausgestattet werden. Vor allem die Unterwassermassage ist eine häufig anzutreffende Anwendungsform. Sie gehört in den großen Bereich der Hydrotherapie. Sie löst Stauungen im Gewebe, in der Muskulatur und trägt wesentlich zur physischen und damit psychischen Entspannung bei. Positiv ist auch die Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System.

Nur wenige Beckenhersteller sind auf den Bau von Therapiebecken spezialisiert. Ein Beispiel sind die Therapie- und Bewegungsbecken von Vario Pool System. Die Schwimmbecken werden individuell in jeder Form und Größe in einer PVC-hart/GFK-Verbundbauweise mit korrosionsgeschützter Stahlgitterkonstruktion hergestellt. Freitragende Ausführungen ohne Betonhinterfüllung, die rundum begehbar und jederzeit revisionsfähig sind, können dabei realisiert werden. Die Beständigkeit des PVC-Inliners gegenüber allen Schwimmbadwässern, egal ob Mineral-, Sole- (egal bei welcher Konzentration) oder Ozon behandeltes Wasser, auch bei hohen Wassertemperaturen bis 60° Celsius, gewährleistet einen sicheren Betrieb. Auf Wunsch wird das Becken mit einer Wärmeisolierung aus 90 mm starken PU-Hartschaum ausgestattet.

Therapiebecken müssen nicht optisch langweilig aussehen. Wie elegant und attraktiv ein Therapiebecken ausschauen kann, zeigt der „Physio-Pool“ von der Firma Odenwald-Pool. Dank der seitlichen Glasscheiben und der eleganten Form sieht er optisch attraktiv aus und bietet alle Funktionen, die heute an ein Therapiebecken gestellt werden. So ermöglichen die seitlichen Glasscheiben den Blick auf die Bewegungen der Patienten. Der Therapeut kann damit den Bewegungsablauf des Patienten von allen Seiten beobachten und korrigieren. Das schimmernde Blau des Wassers spiegelt sich im ganzen Raum und wirkt beruhigend und entspannend auf die Patienten.

Die komplett freitragende Konstruktion besteht aus einem glasfaserverstärktem Vinylesterkunststoff, einer Edelstahlverkleidung und dem Verbundsicherheitsglas, sogenanntes Floatglas, welches durch die spezielle Fertigung und seine Druckbeständigkeit gut für den Einsatz bei Wasserbecken geeignet ist. Die flexible Modulbauweise ermöglicht es, den Pool nahezu in jeder Form zu realisieren. Natürlich kann das Becken umfangreich ausgestattet werden: Unterwasserscheinwerfer, Rollladen-Abdeckung, Sitzbank, Massagedüsen, Luftsprudelsysteme und vieles mehr.

www.odenwald-pool.de, www.ospa-schwimmbadtechnik.de, www.vpsgmbh.de