Beim Küchenkauf oder bei der Planung eines Hauses ist die Visualisierung von Kundenwünschen längt alltäglich. Digitale Techniken halten jetzt auch im Schwimmbadbereich mehr und mehr Einzug.

Pool-Planung in 3D

Der Wunsch der Kunden nach immer individuellerem Design, die optimale Nutzung kleiner Technikräume und eine immer komplexere Infrastruktur (Wasserrohre, Heizung, Elektrik, Steuerung) machen eine möglichst genaue Planung bereits ab der Frühphase eines Projekts notwendig. Die genaue Definition von Schnittstellen zu den anderen Gewerken und deren Abstimmung sind fundamentale Bausteine für ein gelungenes Bauprojekt und einen zufriedenen Kunden.

Kunden mit einer hohen Investitionsbereitschaft haben recht genaue Vorstellungen, was sie wollen oder nicht wollen. Das fertige Schwimmbad anhand von Grundrissen und Schnitten können sich die wenigsten vorstellen. Hier ist also ein vom Schwimmbadbauer erstelltes virtuelles Modell, an dem verschiedene Varianten ausprobiert werden können, eine sehr gute Verkaufshilfe. Durch Rendering lassen sich dreidimensionale Objekte mit realistischen räumlichen Oberflächen darstellen. Ein Granitbelag oder eine Glasfront ist als solche dann klar erkennbar.

Die Konstruktion von Geräten und Bauteilen für Schwimmbäder erfolgt bei den Herstellern heute meist schon mit 3D-CAD-Systemen. Diese 3D-Modelle können dem Schwimmbadbauer zur Planung in verschiedenen Formaten für die unterschiedlichen Planungsinstrumente zur Verfügung gestellt werden. Am einfachsten sind so genannte Augmented-Reality-Anwendungen (AR) oder auf deutsch: Anwendungen mit erweiterter Realität. Anders als bei virtueller Realität (VR), bei der nichts tatsächlich vorhanden ist, ist AR die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Ein ganz einfaches Beispiel für AR ist das Einblenden von Entfernungen bei Freistößen mithilfe eines Kreises oder einer Linie bei Fußballübertragungen.

Wie funktioniert diese Technik nun in der Praxis? Die Grundlage für eine reale Darstellung ist ein definierter Bezugspunkt. Dazu wird ein Marker an die Stelle gelegt, an der ein bestimmtes Bauteil erscheinen soll. Dieser Marker wird mit der Umgebung über die Kamera eines Tablet erfasst und ausgewertet. Ein auf dem Tablet installierter Viewer platziert dann das 3D-CAD-Modell des Bauteils in der richtigen Perspektive und Größe an der Stelle des Markers und lässt das Produkt so virtuell in der realen Umgebung erscheinen. Die gewünschte Position eines Bauteils in einer Anlage kann damit vor Ort mit wenigen Handgriffen und unter Verzicht auf ein reales Gerät bestimmt werden. Im Beispiel ist die Positionierung einer Wärmepumpe an einem Freibad zu sehen.

Neben der Verkaufshilfe kann die Technik sehr gut als Planungshilfe für den Ausbau genutzt werden. Dazu erfolgt die Erfassung des vorgesehenen Technikraums und seiner Umgebung über einen am Tablet angebrachten 3D-Scannersensor (Structure Sensor). Statt mit dem Meterstab einzelne Maße abzugreifen, wird der komplette Raum maßstabsgetreu erfasst und als 3D-Raumbild gespeichert. Im CAD-System kann dann eine Zusammenführung mit den 3D-CAD-Modellen zum Beispiel des Kanalgeräts und der Luftkanäle erfolgen. Die vielfältigen Möglichkeiten zur Konfiguration bei Kanalanschlüssen (oben, seitlich, hinten, unten) und Bauformen (kurz, stehend, liegend) von SET-Geräten ermöglichen eine bestmögliche Nutzung des Technikraums. Die Positionierung von Elektroverteilung, Wasseraufbereitung, Filteranlage und weiteren Einbauten zeigen sofort Abstands- und Verkehrsflächen und mögliche Kollisionen. Durch Zuweisung von Leitungstrassen und Montagepunkten werden böse Überraschungen in der Ausbauphase vermieden.

 

In der Schwimmhalle selbst kann das fertige Ergebnis als reales Modell dargestellt werden. Diese 3D-Modelle mit Materialdefinitionen und Texturen für die einzelnen Oberflächen für Echtzeit-Rendering sind jedoch aufwändiger. Im Ergebnis lassen sich damit komplette Beleuchtungseinstellungen und Stimmungen simulieren (siehe Bildausschnitt Wärmepumpe am Pool; Bild ist komplett gerendert).

Auch wenn die Technik aufwändig ist und für manchen geübten Handwerker überflüssig erscheint, so sind sie in der Kundenkommunikation sehr nützlich, da sie die Kompetenz des betreuenden Betriebs vermitteln. Der Kunde wird im Entscheidungsprozess unterstützt, da er verschiedene Varianten durchspielen kann. Für den Schwimmbadbauer stehen eine schnellere Entscheidung des Kunden und in der Regel ein höheres Auftragsvolumen auf der Habenseite. Bei der Abwicklung kann das Tool neben der Planung auch sehr gut zur Dokumentation der Arbeiten genutzt werden.

Dr. Andreas Seibold*

(* Der Autor ist Geschäftsführer der SET Energietechnik GmbH.)