Konsequente Reduktion auf das Wesentliche: So präsentiert sich diese Schwimmhalle, bei der auf alle störende Elemente verzichtet wurde. Nur glatte Steinflächen prägen das Bild.

Die neue Steinzeit

Ein Punkt hatte den Bauherrn schon lange gestört. Zwischen den beiden Häusern auf seinem Grundstück klaffte eine beträchtliche Lücke. Der Bereich dazwischen ließ sich nicht sinnvoll nutzen. Eins der Gebäude wurde meist als Gästehaus genutzt, stand aber oft nur leer. So wirkte das Gelände zerrissen und nicht wirklich einladend. Für diese unbefriedigende Situation eine Lösung zu finden, dafür hatte der Bauherr den Hamburger Architekten Jan Wichers beauftragt. Dieser entwickelte eine Lösung, die dem hohen Anspruch des Bauherrn gerecht wurde.

Als verbindendes Element zwischen den Gebäuden kreierte Jan Wichers eine Schwimmhalle der Extraklasse, die vor allem durch ihre konsequent reduzierte Gestaltung und Materialität beeindruckt. Sie wirkt nun als verbindendes Element zwischen den Gebäuden, die im Zuge der Baumaßnahmen ebenfalls erheblich renoviert wurden. Die Schwimmhalle ist deshalb von beiden Seiten betretbar und wird auch gerne als Durchgang bei schlechtem Wetter genutzt. „Mit der Schwimmhalle wurden die Häuser zu einem Gesamtkomplex zusammengezogen“, so Jan Wichers. „Das Ensemble hat erst durch diese Verbindung einen Sinn bekommen.“  

Mit dem Bauherrn hat er schon einige Bauten im In- und Ausland realisiert. So bestand ein enges Vertrauensverhältnis, was in der gemeinsamen Zusammenarbeit und dann im Ergebnis zum Ausdruck kam. „Der Bauherr verlangte den vollständigen Verzicht auf alle überflüssigen Gestaltungselemente, auf Vor- oder Rücksprünge, Leisten, Säulen oder ähnliches“, erläutert Jan Wichers weiter. „Nur geradlinige ruhige Flächen, die vom Boden bis zur Decke reichen.“ Der Raum dient der absoluten persönlichen Entspannung. Deshalb wurde er auch zur Natur hin geöffnet. Eine breite Fensterfront lässt den umgebenden parkähnlichen Garten auch in der Schwimmhalle wahrnehmbar werden, so dass bei gutem Wetter fast das Gefühl entsteht, es handele sich um einen überdachten Außenpool.

Um in der Schwimmhalle die gewünschte vollflächige und bruchlose Gestaltung zu bekommen, kamen nur Natursteine in verschiedenen Varianten in Frage. Der Bauherr, der leidenschaftlicher Sammler ist, ließ eins seiner Kunstwerke, ein Original des amerikanischen Künstlers Robert Indiana, am Beckenrand aufstellen. Die Skulptur LOVE ist eins seiner bekanntesten Werke. Diese ist aus dem Naturstein Rosa Portugallo gefertigt. Dieser Stein steht jetzt wie selbstverständlich am Beckenrand und bestimmte auch maßgeblich die Materialauswahl in der Schwimmhalle. Weitere Sammlerstücke wie zwei Liegen von Mies van der Rohe und eine Sitzbank von Edra fanden hier ebenfalls ein neues Zuhause.

Mit den Natursteinarbeiten wurde die Ströhmann Steinkult GmbH beauftragt. „Die Wand- und Bodenflächen in dem 12 x 5 m großen Schwimmbecken wurden mit einer Abdichtung versehen und sind mit einem Glasmosaik ausgekleidet“, erläutert Geschäftsführer Uwe Ströhmann. Das Glasmosaik in der Größe 15 x 15 cm ist eine Sonderfertigung speziell für dieses Projekt. Das Schwimmbecken wurde unmittelbar an die Wand herangerückt. So konnte eine Versatzstufe vermieden werden, und die mächtige Wand hinter dem Pool läuft nahtlos vom Beckenboden bis zur Decke. Eine Besonderheit ist auch die gefräste Wellenoptik im Stein, die sehr aufwendig eingeschliffen wurde. So scheint sich das Wasser auf den Steinoberflächen zu kräuseln.

Auf den übrigen drei Seiten wird das Becken von einer Rinne umschlossen. Beim Rinnenstein, Modell „Bosco“ von Ströhmann, handelt es sich ebenfalls um eine Sonderanfertigung. Das Wasser läuft über den breiten Beckenkopf in die dahinter liegende Rinne. Der Wasserspiegel befindet sich somit auf einer Linie mit dem Umgang, und Pool und Umgangsfläche wirken wie mit einem Lineal gezogen.

Für den Umgangsbereich und an der Wand hinter dem Pool kommt ein Estremoz-Marmor zum Einsatz. „Wichtig war eine große Präzision und Genauigkeit bei der Verarbeitung der Materialien“, betont Uwe Ströhmann, „um absolut bruchlose Flächen zu bekommen.“ Außerdem war sicherzustellen, dass alle zum Einsatz kommenden Natursteinmaterialien feuchtraumgeeignet sind und den besonderen Bedingungen in einer Schwimmhalle langfristig standhalten.

Da auf die bei Schwimmhallen üblichen Gestaltungen verzichtet wurde, fallen zwei Architekturelemente besonders auf: zum einen eine Brücke, die sich vom Eingang über den Pool zum Beckenumgang spannt. Die Treppe war eine Lösung, erläutert Jan Wichers, um den Höhenunterschied zwischen den beiden Wohngebäuden zu überbrücken. Auch die Treppe ist mit Estremoz-Marmor belegt. Eine Glasscheibe als Trennung und Uplights im Boden garantieren die sichere Benutzung. Das Poolwasser scheint unter der Brücke durchzulaufen, was aber eine optische Täuschung ist. Das zweite Element ist ein großer schwarzer Steinblock auf der Umgangsseite, der von Ströhmann kreiert wurde und hinter dem sich der Dusch-/WC- und Umkleidebereich verbirgt. Die Dusche, die organisch geformt ist, ist gleichzeitig mit Dampfbadfunktion ausgestattet. Das Material für die Dusche wurde aus dem Stein „Edition Chocolat“ gewonnen, der eine besonders ausgewählte Edition aus dem Bergischen Land ist. Dieser ist aus einem Block gefräst und mehrteilig nahezu fugenlos eingebaut. Dadurch wirkt er wie ein Granitstein aus den Alpen.

Was die technische Ausstattung des Schwimmbeckens betrifft, so verfügt das Becken über eine Rollladen-Abdeckung, eine Gegenstromanlage und LED-RGB-Scheinwerfer, die das Poolwasser in ein leuchtendes Farbenmeer hüllen. Im Untergeschoss der Schwimmhalle und unmittelbar am Beckenkörper ist die Ospa-Schwimmbadtechnik installiert. Zur Ausstattung gehören eine Filteranlage, das Desinfektionssystem BlueClear, Dosiertechnik für pH-Heben und -Senken und der Schaltschrank. Am Display der Ospa-Steuerung BlueControl kann der Bauherr seine Wasserwerte leicht abrufen, bei Bedarf korrigieren und auch die weiteren Features der Poolanlage steuern. Wenige Fingertipps genügen, um die Anlage zu kontrollieren und die Wasserpflege durchzuführen.

 

Fotos: Anja Wippich

Mehr Informationen gibt's hier:

Architektur:
Studio Jan Wichers
22299 Hamburg
Tel.: 040 4132870

info@studio-wichers.de
www.studio-wichers.de

 

Natursteinarbeiten:
Ströhmann Steinkult GmbH
65719 Hofheim-Wallau
Tel.: 06122 9107-0

steindesign@stroehmann.de
www.steindesign.stroehmann.de

 

Schwimmbadtechnik:
Ospa Schwimmbadtechnik
73557 Mutlangen
Tel.: 07171 705-0

ospa@ospa.info
www.ospa.info