Sonne, Salz, Wasser und Wind: Seeklima hat unbestreitbar heilende Kräfte für Körper und Seele. Wen wundert es da, dass oftmals in der Planungsphase eines eigenen Schwimmbades die Überlegung angestellt wird, ob diese wesentlichen, gesund­
heitlichen Vorteile auch weit­gehend im eigenen Schwimmbad realisierbar sind.

Das Meer im eigenen Pool

Im eigenen Schwimmbad ist die Heilkraft der Sonne nur beim Freibad, die aerosolhaltige Seeluft nicht, das Baden und Schwimmen in Salzwasser jedoch durchaus zu verwirklichen. Ein Bauherr, der sich für einen Salzwasserpool interessiert, ist schon im Stadium der Vorüberlegungen, auf jedem Fall aber in der Planungsphase auf eine fachlich fundierte und ehrliche Information unbedingt angewiesen. Andernfalls endet das ganze Vorhaben mit ziemlicher Sicherheit in einem Fiasko. Es ist wichtig, dass Interessenten unabhängig und vor allem ehrlich aufgezeigt wird, welche Mehrkosten für Bau und Betrieb eines Solebades zwangsläufig anfallen.

Zuerst ein paar grundsätzliche Bemerkungen: Das Wasser der Nordsee enthält rund 3 % Salz, das der Ostsee 0,2 bis 2 %, das Mittelmeer 3,7 %, und der Atlantik 3,5 %. Spitzenreiter ist das tote Meer mit einem Salzgehalt von 30 %! Gehen wir zunächst als Beispiel davon aus, dass der Salzgehalt des Schwimmbades 2 % betragen soll, entsprechend 20g Salz je Liter Wasser. Bei einem Schwimmbecken in der Größe von 8 x 4 x 1,35 m mit einem Wasserinhalt von ca. 43 m³ müsste, um den Salzgehalt von 2 % zu erreichen, bei der Neubefüllung 20 kg Salz pro m³ Wasser, also nicht weniger als 860 kg Salz zugegeben werden. Begnügt man sich mit einem Salzgehalt von 1 %, sind das immerhin noch 430 kg.

Zweifellos ein nicht unbeträchtlicher Kostenfaktor, bei dem auch der Arbeitsaufwand für Lagerung, Transport und Zugabe nicht unbeachtet bleiben darf. Es sollte nur möglichst reines Kochsalz Verwendung finden, da inhaltliche Unreinheiten die Aufbereitung stören und unschöne Ablagerungen im Becken verursachen können. Der zur Filterspülung erforderliche Wasserverlust - Bei einer Filteranlage mit einem Volumenstrom von 10 m³ sind das wenigstens 840 l - muss wiederum durch Solewasser ergänzt werden. Dazu muss man nach jeder Filterspülung wöchentlich etwa 17 kg Salz zugeben. Eine namhafte Fachfirma hat für diesen Zweck einen automatischen Solewasserbereiter entwickelt, mit dem die zur Nachfüllung erforderliche Sole in der erforderlichen Konzentration hergestellt, gespeichert und automatisch zugegeben werden kann. Eine feine Sache, die aber ihren Preis hat und die Notwendigkeit, rechtzeitig den Salzvorrat der Anlage zu ergänzen, nicht ausschließt. Mit einem Aerometer (Dichtemesser) hat der Betreiber die Möglichkeit, in etwa die Salzkonzentration zu messen.

Kommen wir nun zum Schwimmbecken selbst. Fällt die Wahl auf ein betoniertes, mit Fliesen ausgekleidetes Becken, muss nach gründlicher Entfernung aller Schalöl-Reste der Beton vor dem Angriff des Solewassers geschützt werden, etwa durch eine Schicht aus Epoxidharz, welches durch Einwalzen auf den gereinigten Beton aufgetragen wird. Das Absanden des frischen Epoxy-Auftrages garantiert eine gute Haftung der Fliesen auf dem Untergrund. Die Fliesen sollten ebenfalls mit Epoxy-Mörtel verklebt werden. Als Fugenmaterial kommt nur Epoxid-Material in Frage.

 

Kunststoffbecken sind für Solewasser geeignet. Vorsicht ist aber in jeden Fall bei Auswahl aller Becken-Anschlussarmaturen geboten! Am besten verwendet man, wenn immer möglich, Wanddurchführungen aus Kunststoff. Mit dem Beckenabdichter ist vorab zu klären, ob Wanddurchführungen mit Klebe-oder Pressflansch benötigt werden. Die Korrosionsbeständigkeit von Rotguss RG 5 ist für Solewasser unzureichend. Es kommt nur die Werkstoffqualität von wenigstens RG 10, besser GBz 10 oder 12 in Betracht. Edelstahl, auch in hochwertiger Qualität, ist für Beckeneinbauteile nicht ratsam, da diese niemals ausgewechselt werden können. Auftretende Korrosionsschäden hätten schlimme Folgen.

Wie schon im vorstehenden Abschnitt erwähnt, erfordert salzhaltiges Wasser bei der Auswahl aller mit dem Wasser in Berührung kommenden Materialien besondere Aufmerksamkeit. Das gilt in besonderem Maße für Edelstähle, deren Korrosionsbeständigkeit im Besonderen vom Chloridgehalt des Wassers abhängig ist. In Solebädern können Chloridionengehalte über 10.000 mg/l erreicht werden! Bei der gängigen Marktbezeichnung V2A handelt es sich meist um die Werkstoff Nr. 1.4301. Dieser Edelstahl ist wegen der zu geringen Beständigkeit gegenüber den Chloridion (Max 200 mg/l) nicht zum Einsatz bei Salzwasserbecken geeignet.

Für chloridsalzhaltiges Wasser sind nur Molybdän legierte Edelstähle mit den Werkstoff-Nummern 1.4565, 1.4529 und 1.4547 geeignet und zugelassen. Die Korrosionsbeständigkeit von Edelstählen ist nicht allein von der Werkstoffqualität, sondern auch wesentlich von einer fachgerechten Verarbeitung abhängig. Man sollte daher auch hoch legierten Edelstahl nur für Komponenten zum Einsatz bringen, die problemlos ausgetauscht werden können. Selbst bei einem Salzgehalt von nur 0,5 %, d.h. 5 kg Salz/m³, wie er für eine Direkt-Elektrolyse zur Desinfektion benötigt wird, beträgt der Chloridgehalt bereits 3.000 mg/l.! Auch bei Molybdän legierten Edelstählen ist bei einem Chlorionengehalt des Wassers von mehr als 500 mg/l Vorsicht geboten! Das gilt auch für Teile, die nur selten überflutet oder benetzt werden. Diese müssen einer sorgfältigen Unterhaltsreinigung unterzogen werden, da sich durch Beläge an der Oberfläche mit enormer Chloridanreicherung Korrosionsprobleme einstellen können!

Dem Interessenten sei geraten, sich im Auftragsfalle Informationen über das verwendete Material vorlegen zu lassen und darauf zu achten, dass ausreichende Gewährleistungen gegeben werden.

Kommen wir nun zur Badewasseraufbereitung. Hier gibt es im privaten Bäderbereich keine wesentlichen Unterschiede zu einem Süßwasserpool. Im öffentlichen Bad muss allerdings die Filtriergeschwindigkeit wegen der etwas schlechteren Filtrationswirkung bei Solewasser auf max. 20 m/h reduziert werden, was letztlich größere Filteranlagen erforderlich macht. Erfahrene Fachfirmen wissen, wie eine gute Filteranlage für Solewasser gebaut werden muss, wobei auf die Verwendung von korrosionsgefährdetem Material im Filter verzichtet wird. Besondere Maßnahmen sind bei der Umwälzpumpe erforderlich! Nicht jede Pumpe, auch wenn diese ein Gehäuse aus Kunststoff hat, ist solewasserbeständig! Bewährt haben sich Pumpengehäuse aus GBz 10 oder 12 bei Verwendung besonderer Gleitringdichtungen, die allerdings einem erhöhten Verschleiß unterliegen. Für größere Volumenströme eigenen sich auch Pumpen, bei denen Motor und Pumpengehäuse getrennt sind oder spezielle Kunststoffpumpen ohne Gleitringdichtung, bei denen der Antrieb magnetisch übertragen wird.

 

Für die Badewassererwärmung eigenen sich besonders Wärmetauscher aus Titan oder zumindest einem molybdänlegierten Edelstahl der zuvor genannten Werkstoffqualitäten. Bei der Installation haben Verbindungsteile aus Messing und auch RG 5 nichts zu suchen.

Von besonderer Wichtigkeit ist auch die Raumentfeuchtung. Durch Aerosolbildung, verstärkt bei starker Wasserbewegung, sind insbesondere für tragende Bauteile aus Edelstahl (abgehängte Decken etc.) aus Sicherheitsgründen die Werkstoffqualitäten 1.4539, 1.4529 und 1.4547 geeignet und zugelassen. Die Entfeuchtungsanlage insgesamt muss für diesen Einsatzzweck geeignet sein.

Abdeckroste, Schwimmbadleitern und Haltestangen bedürfen einer besonderen Pflege zum Erhalt der schützenden Oberflächenbeschaffenheit. Der erhöhte Aufwand für die Betriebsmittelversorgung, besonders die Salzversorgung und deren Kosten dürfen nicht unberücksichtigt bleiben. Ein höherer Verschleiß, wobei besonders Umwälzpumpe, Ventile und Wärmetauscher gemeint sind, muss akzeptiert werden.

Die Frage nach den höheren Anschaffungskosten ist pauschal nicht zu beantworten. Man kann oder muss jedoch mit einem Mehraufwand von etwa 50 % rechnen. Das gilt grob gesagt auch für die laufenden Betriebs- und Wartungskosten. Wer diesen Mehraufwand nicht scheut und das Projekt zusammen mit soliden und erfahrenen Fachkräften verwirklicht, hat zweifellos ein Schwimmbad mit gehobenem, gesundheitlichen Nutzwert, an dem man dann viel Freude haben wird.